Pferdelogik.de

... warum lernt der Mensch eigentlich kein Pferdisch?

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Einleitung

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Diese website befaßt sich mit der sanften, pferdelogischen Ausbildung von Pferden. Warum eigentlich ?

Als weitestgehende Pferdelaien (wenn auch mit einigen Jahren intensiver Eselerfahrung) waren meine Frau und ich selbst einige Monate zuvor zu einem jungen, kaum ausgebildeten, aber sehr sanftmütigen, unverdorbenen, anhänglichen und aufgeschlossenen Reitpony gekommen. Wir beschlossen, unsere Stute in dem Reitstallbetrieb unterzubringen, in dem wir auch schon einige Zeit unsere Reitstunden genossen. Dort wurde sie mustergültig versorgt, was ihre körperlichen Bedürfnisse anbelangte. Was die Ausbildung betrifft, ging allerdings nach kurzer Zeit ging der Ärger mit den anderen ‘Pferdeleuten’ los.

Nur ein triviales Beispiel aus der Anfangszeit: nachdem ich plante, mit meiner neuen Freundin später auch mal joggen zu gehen, übten wir das auf dem Reitplatz. Und merkwürdigerweise fing sie an, nach mir zu schnappen, sooft ich (mit ihr neben mir am Führstrick) vom Schritt in Trab fiel. Konnte ich mir nicht erklären, da sie sich ansonsten in keinster Weise aggressiv verhält. Klarer Fall: ‘Fragen Sie jemand, der sich damit auskennt !’ Ratschlag des langjährigen Reitexperten, dem ich das Problem des Schnappens vorführte: “Also das geht überhaupt nicht, nach dem Menschen schnappen! Gib Ihr sofort mit dem Führstrick bei jedem Schnappen eins auf die Nase, damit sie sich das sofort wieder abgewöhnt.” “Ja, aber welche Ursache hat denn die Schnapperei?”, fragte ich. “Ist egal”, war die Antwort, “sie hat das zu unterlassen, punktum.” Und da setzte dann der Zweifel ein. Denn soviel hatte ich mir als Laie schon zusammengereimt: wenn das Pferd nicht das Gewünschte tut, hat das meistens wenigstens eine von vier Ursachen: entweder...

1. bereitet das Gewünschte dem Pferd einen Schmerz, oder...

2. ich habe meinen Wunsch nicht verständlich genug formuliert, oder...

3. das Pferd erinnert sich an unangenehme Folgen, wenn es das Gewünschte tut, oder...

4. das Pferd weiss genau, was es tun soll, aber hat schlicht keine Lust dazu und lässt es auf eine kleine (oder grössere) Machtprobe ankommen.

Sofern Ursache 1,2 oder 3 zutreffen, wäre eine Bestrafung mittels Führstrickklaps doch völlig kontraproduktiv, dachte ich mir und sagte das auch. Oha, da hatte ich aber mächtig ins Wespennest gestochen... Ohne hier ins Detail über die dann kommenden Wochen gehen zu wollen, klaffte die Schere zwischen den Ratschlägen an uns und unseren Vorstellungen über die Ausbildung eines wirklich gutwilligen und intelligenten Pferdes immer weiter auseinander. Kurz gesagt, wir “beratungsresistenten” Anfänger waren in kürzester Zeit das rote Tuch des Reitstalls - und blieben es bis zum Tag unseres Auszugs.

Fast jeden Tag kamen wir also mit einer frischen Ladung von Ärger, Streitgesprächen und “intellektueller Verwirrung” nach Hause und zweifelten an unserer Ausbildungsphilosophie, die uns ja immerhin geholfen hatte, aus unseren zwei ungestümen Eselfohlen vollkommen zuverlässige und uns treu ergebene Tiere zu machen. Wer Esel nicht kennt, dem sei gesagt: ein Esel fordert von Ihnen noch wesentlich mehr “Equidenlogik” in der Ausbildung, sonst beschließt er in letzter Konsequenz, einfach mit seinem Menschen nichts mehr zu tun haben zu wollen.

In Zeiten des Internets ja kein Problem, ich fing also an, nächtelang nach Informationen über “natural horsemanship”, “sanfte Ausbildung” und dergleichen zu suchen. Und stieß nach einiger Zeit auf die Texte eines gewissen Ron Meredith von Meredith Manor, der seit Jahrzehnten in den USA Pferde auf eine sanfte Weise ausbildet, die er (sehr frei übersetzt) “Anwendung von Pferdelogik” nennt. Ich fing an zu lesen und bekam (als ansonsten weitgehend unsentimentaler Mensch) buchstäblich einen dicken Kloß im Hals: “JA, genau DAS ist es, was ich suche !!!”. Ein Konzept, das den Fehler grundsätzlich stets beim Menschen sucht und ihn zwingt, sich mit der Denkweise von Pferden zu beschäftigen und sein gesamtes Trainingsprogramm auf die Denkstrukturen des Pferdes auszurichten - nicht umgekehrt ! Und vollkommener Verzicht auf körperliche Strafen.

Ich suchte noch ein wenig weiter und fand, dass “Pferdelogik” offensichtlich nirgendwo nennenswert auf deutschsprachigen websites auftaucht. Da dachte ich mir, man müsse diese wunderbaren Texte von Ron Meredith unbedingt in Deutsch übersetzen, damit sie für all jene deutschsprachigen Pferdebesitzer verfügbar sind, die so wie ich verzweifelt auf der Suche nach ‘alternativen’ Ausbildungsmethoden sind. Meredith Manor hat mir freundlicherweise die Veröffentlichung der übersetzten Texte erlaubt, sofern ich stets “credits” an Meredith Manor gebe, also auf deren Urheberschaft hinweise. Hiermit also meinen ganz herzlichen Dank an die Familie Meredith und mein ganz deutlicher Hinweis darauf, daß alle Texte, Ideen und Gedanken auf dieser Website ausschließlich von den Merediths stammen. Ich habe lediglich nach bestem Wissen übersetzt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich hoffe, daß sich meine Mühen (Übersetzungen und Betrieb dieser website) für Sie und Ihr Pferd lohnen werden, und es Ihrem Pferd erleichtern wird, das von Ihnen Gewünschte zu erlernen. Alles Gute dabei !

Ach ja, die Schnapperei unseres Stütchens.... was wurde eigentlich daraus ? Führstrickklaps kam für mich ja nicht in Frage. Ich machte also erstmal einfach weiter, indem ich ihr das Schnappen durch lockeres Halten des Halfter während des Laufens erschwerte, und immer gaaaanz langsam von Schritt in Trab fiel. Und dann kam ich bald drauf: sie schnappte, wenn ich im Hufschlag lief, und sie im weichen Sand daneben, auf der ‘inneren Spur’. Sie schnappte jedoch nicht, wenn sie auf dem Hufschlag lief, und ich auf der inneren Spur. Also passte unserer etwas bequemlichen Dame entweder der anstrengendere weiche Sand nicht, oder sie wollte unbedingt in der Nähe der Bande auf dem Hufschlag laufen, aber da war ich ja schon....

Problem hatte offensichtlich also nicht Ursache 1, 2 oder 3 (siehe oben), sondern unserer Madame passte es nicht, daß ich auf “dem für sie reservierten” Hufschlag lief. Eigentlich normal für die meisten Pferde, sagte mir (viel später) jemand anderes - die meisten Pferde liefen gerne entlang der Bande, es gäbe ihnen mehr Sicherheit. Wusste ich aber damals nicht, ich war ja blutiger Anfänger ! Letztlich primär ein Rangordnungsproblem: mein Pferd hat mich nicht von meinem Platz zu drängeln, da gibt’s gar keine Diskussion. Soviel wußte ich ja schon. Meine Korrektur damals: ich nahm sie recht kurz am Führstrick und blockte ihren Kopf mit der flachen Hand ab, wann immer sie Anstalten machte, den Kopf zum Schnappen zu mir zu drehen. Ohne Schlagen, fast ohne Berührung, ohne laute Worte, ohne “Rache” oder “Revanche”, ohne dabei unseren gemeinsamen Laufrhythmus zu verlieren. Einfach nur ihre Kopfbewegung sofort und kurz abblocken. Das ganze über drei, vier Tage über jeweils 5 Minuten geübt - Problem verschwunden und nie wiedergekommen. Vermutlich ist ihr das Abblocken so dicht vor ihrem Auge zu doof geworden und hat erkannt, daß ich mich nicht von ihr verdrängen lasse. Wir laufen seitdem fast jeden Tag nebeneinander auf den Feldwegen rund um unser Dorf, haben einen Riesenspaß dabei und sie hat nie wieder auch nur ansatzweise nach mir geschnappt.

(Nur nebenbei, und um Missverständnissen vorzubeugen: wir versuchen natürlich nicht, unsere Stute selbst zum Reiten auszubilden -das würde garantiert schief gehen. Wir haben nach längerer Suche eine erfahrene Bereiterin gefunden, die dies aus Überzeugung mit Verständnis für die Pferdepsyche und -physis und in einer leisen und sehr pferdeschonenden Art übernommen hat.)

Zwischendurch und seitdem waren wir auch mal zu Besuch auf dem einen oder anderen regionalen Reitturnier, zum Zuschauen und Lernen. Was mir als jugendlichem, totalen Equidenlaien schon vor vielen Jahren unreflektiert sehr merkwürdig vorkam, stößt mich nun immer mehr (und mittlerweile vollständig) ab: schwitzende, zitternde, trippelnde, schweifpeitschende Pferde mit hochgerissenen Köpfen und schreckgeweiteten Augen, das über den gesamten Platz schallende Klatsch-Klatsch-Klatsch der Reitgerte, wenn der blöde Gaul schon vor dem ersten Hindernis verweigert. Mein Empfinden, daß (jedenfalls während des Turniers) wenigstens 80% der Pferde offensichtlich nicht die geringste Lust auf Springen oder Dressur haben. Hoppla-hier-komm-ich auf dem Abreitplatz. Kaum jemand, dem sein anstrengendes und teures Hobby Freude zu machen scheint. Verbissene Gesichter allerorten. Reiter, die wie jagende Raubtiere auf dem Rücken ihrer offenkundig gestressten Tiere sitzen und (so mein Empfinden) lieber ihr Tier unter Anwenden aller Mittel durch den Parcours treiben, als die Schmach einer Widersetzlichkeit vor Publikum zu erleiden. Verletzte Pferde und verletzte Reiter, wenn trotz Klatsch-Klatsch-Klatsch das Tier einfach ins Hindernis reinläuft statt drüberzuspringen. Hypernervöse Tiere, die reihenweise vor demselben Hindernis verweigern und austicken, weil zwei Meter neben dem Hindernis eine mit Mülltüte regengeschützte Lautsprecherbox steht. Grosses, narzistisches Theater mit höchst motivierten Direktoren, aber völlig entnervten Schauspielern. Sicherlich tue ich jetzt vielen tausenden Dressur- und Springreitern, die ihren Sport tierschützend, umsichtig, sachkundig und verantwortungsvoll betreiben, grosses Unrecht - hiermit meine ehrlich gemeinte Entschuldigung ! Aber Fakt ist, dass ich diese Dinge beobachtet habe, und so darüber empfinde. Es waren “nur” regionale Turniere, ich kenne die Reiter nicht und kann nicht beurteilen, ob das in irgendeiner Weise exemplarisch war. Ich weiss nur, es stößt mich ab. Und ich befürchte, es passiert auf vielen anderen kleinen Turnieren jedes Wochenende genauso. Ich werde dort nicht mehr hingehen, weil’s mir mittlerweile wirklich den Magen zusammenschnürt.

Ich für mich habe jedenfalls entschieden, daß ich keinerlei Recht habe, dieser mir nahezu wehrlos ausgelieferten Kreatur seelische oder körperliche Gewalt außerhalb des natürlichen, pferdeverhaltenstypischen Rahmens anzutun, nur um irgendein Ziel zu erzwingen, das ich mir einbilde erreichen zu müssen. Und warum nur zwingen wir Pferde dazu, sich auf unsere menschlichen Denkmuster einzustellen ? Ware es nicht weitaus effektiver, wenn Homo sapiens (wörtlich: “der kluge, weise Mensch”) seine ach so hoch entwickelte Großhirnrinde gebraucht und dem Pferd wenigstens eine Arbeit abnimmt, indem sich der Mensch nämlich Mühe gibt, sich halbwegs pferdeverständlich auszudrücken ?

Meine persönliche, private und von zugegebenermaßen geringer Pferdeerfahrung und nahezu keiner Reiterfahrung (aber gesundem Menschenverstand) geprägte Meinung. Hugh. Wer das alles für sentimentalen Blödsinn hält, möge gerne seinen eigenen Weg verfolgen. Ist ja ein freies Land. Wer meine Gedanken jedoch nachvollziehen kann, dem lege ich nun die wunderbar intelligenten Texte über streßfreie, pferdelogische Ausbildung von Ron und Faith Meredith allerwärmstens zur Lektüre ans Herz !